6. Hamburger Fachtagung - Bericht

Aus der Praxis - für die Praxis
"Schimmelpilze in Innenräumen"

6. Hamburger Fachtagung "Schimmelpilze in Innenräumen"Interdisziplinäre Fachtagung zeigte Praxisfülle auf

 

Fast 170 Sachverständige, Handwerker, Immobilien- und Wohnungsverwalter, Umwelt- und Energieberater, Mediziner, Juristen und Baubiologen kamen am Donnerstag, den 9. Oktober in den altehrwürdigen Räumen der Handwerkskammer Hamburg zusammen, um aktuelle und neue Lösungen zur Vorbeugung, Analyse und Sanierung von Schimmelpilzbefall zu finden. Zum sechsten Mal lud der Regionalverband Umweltberatung Nord (R.U.N.) zur interdisziplinär ausgerichteten Fachtagung „Schimmelpilze in Innenräumen“ ein. Zahlreiche Verbände und Behörden sowie das Umweltbundesamt waren als Kooperationspartner beteiligt. Wieder einmal bot die Tagung den Teilnehmern die Möglichkeit quer über alle Disziplinen miteinander ins Gespräch zu kommen und fachliche Fragen aus verschiedenen Sichtwinkeln zu diskutieren.

Dr. Björn Dietrich (BSU)

Dr. Björn Dietrich von der Abteilung Energie und energieeffizientes Bauen der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Hansestadt Hamburg begrüßte die Anwesenden und unterstrich die Notwendigkeit zum gemeinsamen interdisziplinären Austausch aller Beteiligten, nicht nur, weil der energetische Sanierungsbedarf immer mehr zunimmt und komplexe Probleme auftauchen können. So weit wie beim Motto „Klima gerettet – Haus tot“ darf es nicht kommen.

 

Eckart Tödter, Mitarbeiter in einem RAL-zertifizierten Fensterbaubetrieb, startete den Vortragsreigen mit seinem Referat „Schimmelpilze und Fenster, eine schwierige Beziehung?“. Anschaulich konnte er anhand der Entwicklung der Fensterkonstruktionen das Problem möglicher Schimmelbildung darstellen. Er ging auf den aktuellen Stand der Technik im Fensterbau ein und welche Veränderungen es bei den Einbausituationen gibt. Mit Beispielen was getan werden kann, um Probleme zu vermeiden, konnte er konkrete Praxistipps nennen.

 

NDr. Hermann Kruseachfolgend ging Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie des Universitätsklinikums Kiel in seinem Referat „Gesundheitliche Belastungen durch Schimmelpilze in Innenräumen“ anschaulich auf die gesundheitlichen Aspekte ein. Dabei stellte er u.a. heraus, dass sich in Studien Krankheitsbilder, die dem Sick Building Syndrome entsprechen auch bei Schimmelpilzbelastungen zeigen. Für eine gesundheitliche Bewertung von Schimmelpilzfällen wies er nachdrücklich auf die Notwendigkeit umweltmedizinischer Untersuchungen hin.

 

Im Anschluß stellte Michael Resch, Mitglied der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA), erste orientierende Messungen zur Ursachenklärung für die Praxis vor.

 

Das Thema „Desinfektion bei Estrichsanierungen“ wurde nach der stärkenden Mittagspause von Mario Hänseler, Sachverständiger für Feuchte- u. Schimmelpilzschäden, Holz- u. Bautenschutz sachkundig beleuchtet. Dabei ging er ausführlich auf das schwierig zu beurteilende Pro und Contra von Desinfektion bei Estrichsanierung ein. Für die Praxis nach wie vor schwierig, kam er nach allem Für und Wider zum Ergebnis, dass es weiterhin keine allgemeingültige Empfehlung zur Sanierung von Estrichkonstruktionen geben kann. Es bleibt im Ermessen der sachverständigen Begutachtung und muss im Einzelfall unter reiflicher Abwägung aller Vor- und Nachteile entschieden werden.

6. Hamburger Fachtagung: Schimmelpilze in Innenräumen

Direkt anschließend berichtete Jörg Vieth, Mitglied im Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS), anschaulich aus seiner Sanierungspraxis. Dabei stellte er die Notwendigkeit und das Prozedere einer Feinreinigung während einer Schimmelsanierung in den Vordergrund. Aus welchem Blickwinkel Versicherungen auf Schimmelschadensfälle schauen, stellte Dr. Sven Dreher, Leiter der Projektgruppe „Schimmelpilze nach Leitungswasserschäden“ im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor. Anhand von Beispielsfällen verdeutlichte er, dass es in vielen Fällen mehrere Verantwortliche für einen Schadensfall gibt, was die Regulierung häufig sehr konfliktreich macht. Die Notwendigkeit einer gewissen sachverständigen Vereinheitlichung für die Beurteilung von Schimmelpilzschäden, um weit auseinander reichende Massnahmenempfehlunegn in gutachterlichen Stellungnahmen zu vermeiden, stellte er abschließend zur Diskussion.

 

Zum Abschluß der Praxisschau auf das vielschichtige Thema Schimmelpilze in Innenräumen konnte Jens Waßmann, Rechtsanwalt bei Mieter helfen Mietern vom Hamburger Mieterverein e.V., die Schwierigkeit darstellen, dass das Unterfangen, einem in Wohnräumen vorhandenen Schimmelschaden mit juristischen Mitteln beikommen zu wollen, häufig ein vergebliches Bemühen ist. Dies stellte er anhand zweier gerichtlicher Entscheidungen eindrücklich dar. Auch er kommt aus seiner Praxis zu dem Ergebnis, dass ein ausgewachsener Schimmelschaden nicht so lange hinausgezögert werden darf, dass irgendwann „Land unter“ ist. Wenn eine Mietsache zur Gefahr wird, dann möge doch auch unter Rechtsanwendern die Eilbedürftigkeit begründet sein.

 

Moderatorin Brigitte HarsteDie Sachverständige Brigitte Harste, die die Tagung moderierte, brachte die Ergebnisse des Tages auf eine kurze Formel: „“Wir haben von Herrn Dietrich erfahren, dass auch die Stadt Hamburg die thematische Verknüpfung zwischen energetisch hochwertigem Bauen und einer zunehmenden Schimmelgefahr erkannt hat. Herr Tödter hat verdeutlicht, dass die Entwicklung der Fenstertechnik sowohl Vor- als auch Nachteile hat und eine sorgfältige Planung erfordert. Dr. Kruse konnte uns verdeutlichen, dass Schimmel eine gesundheitliche Relevanz hat, der Nachweis möglich aber auch aufwendig ist und insbesondere Kinder besonders gefährdet sind. Herr Resch konnte uns zeigen, dass man sehr viel messen kann, aber nicht alle Messungen realistische Bewertungen möglich machen. Dass die Desinfektion von Dämmstoffen im Boden sehr unterschiedlich ausgeführt werden kann und sowohl Vor- als auch Nachteile haben kann, hat Herr Hänseler anschaulich gemacht. Herr Vieth konnte uns deutlich machen, wie entscheidend eine „richtige“ Feinreinigung nach einer Sanierung ist. Dr. Dreher hat uns ermahnt, nicht voreilig die Bohrwürmer für Schäden verantwortlich zu machen und uns auf die aktuelle Richtlinie des GDV hingewiesen. Zu guter Letzt resümierte Herr Waßmann, das der Streit um Schimmelschäden selten in einem Gerichtsverfahren gelöst sondern meist nur entschieden wird.

 

Tagungsband bestellen:

Die Vorträge der Fachtagung sind in einem 53-seitigen Tagungsband zusammengefasst, der zum Preis von 15 Euro (incl. Versand) beim Regionalverband Umweltberatung Nord per Mail an info@umweltberatung-nord.de bestellt werden kann.

Tagungsprogramm:

Flyer zur Fachtagung (PDF)

Presse

Pressemitteilung vom 08.07.2014

Veranstalter:

Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. und
Bundesverband für Umweltberatung e.V. (bfub)

Mitveranstalter:

Ärztekammer Hamburg, Ausbildungszentrum-Bau in Hamburg (AzB), Berufsverband Deutscher Baubiologen, Bundesverband der Brand- und Wasserschadenbeseitiger, Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS), Deutscher Mieterbund - Landesverband Hamburg, Deutsches Energieberater Netzwerk (DEN), Grundeigentümer-Verband Hamburg, Mieter helfen Mietern, Netzwerk Schimmelberatung Hamburg, Umweltbundesamt, VDI-Arbeitskreise Bautechnik, Umweltschutztechnik, Technische Gebäudeausrüstung, Verband Wohneigentum, Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, Verbraucherzentrale Hamburg, Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU), Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg (ZEWU).

 

Pressekontakt: Ilka Mutschelknaus, Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. Tel.: 040 - 39 90 36 34, Mail: tagung@umweltberatung-nord.de